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Retourenkosten: Was eine Rücksendung wirklich kostet
Erstellt: 06.10.2026 Lesedauer: 7 Minuten

Inhaltsverzeichnis
- Key Takeaways
- Warum die Zahlen zu Retourenkosten weit auseinanderliegen
- Das Rücksendelabel ist nicht die Retoure
- Welche Retourenkosten häufig unsichtbar bleiben
- Der Sonderfall mit hohen Folgekosten: die Fehlsendung
- Modellrechnung: Standard-Retoure mit 12,75 € pro Artikel
- Was Retourenkosten bei eurem Volumen bedeutet
- Retourenkosten senken beginnt mit Transparenz
- FAQ
Key Takeaways
2,85 €, 10 € oder 20 € pro Retoure? Alle Zahlen können stimmen. Entscheidend ist, welche Kosten ihr tatsächlich mitrechnet: Rückversand, Prüfung, Wertverlust, Liegezeit, Kundenservice und Bestandskorrekturen.
Was kostet euch eine Retoure? 2,85 Euro? 10 Euro? 20 Euro? Jede dieser Zahlen kann stimmen. Trotzdem zeigt keine davon automatisch die vollständigen Retourenkosten.
Der Grund ist einfach: Viele Kalkulationen erfassen vor allem den Rückversand. Ein großer Teil der Kosten entsteht aber erst dann, wenn das Paket wieder im Lager ankommt.
Warum die Zahlen zu Retourenkosten weit auseinanderliegen
Wer nach den Kosten einer Retoure sucht, findet Werte zwischen unter drei und über zwanzig Euro. Das wirkt zunächst widersprüchlich. Die Zahlen messen Unterschiedliches – und die niedrigste davon wird besonders häufig zitiert.
Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg ermittelte für 2021 durchschnittlich 2,85 Euro pro retourniertem Artikel und 6,95 Euro pro Sendung. Berücksichtigt wurden Transport und Bearbeitung. Wertverlust, Kundenservice oder die Zeit, die ein Artikel im Retourenprozess gebunden ist, sind darin nicht enthalten.
Eine EHI-Erhebung aus dem Sommer 2025 zeigt, wie unterschiedlich Händler selbst kalkulieren. 53,3 % rechnen mit bis zu 10 Euro pro retourniertem Produkt, 13,9 % mit bis zu 20 Euro. Besonders auffällig: 27 % können ihre Bearbeitungskosten nicht beziffern.
Damit wird klar, warum ein einzelner Benchmark wenig aussagt. Bevor ihr eure eigenen Zahlen vergleicht, müsst ihr wissen, welche Kosten darin tatsächlich enthalten sind.
Das Rücksendelabel ist nicht die Retoure
Viele Kalkulationen erfassen vor allem das, wofür eine direkte Rechnung vorliegt: den Rücktransport. Andere Aufwände landen im Lagerbudget, in Gemeinkosten oder beim Kundenservice. Diese Kosten verschwinden dadurch nicht. Sie werden nur schwieriger sichtbar.
Eine Retoure ist im Grunde ein rückwärts laufender Auftrag. Nach dem Wareneingang folgen mehrere Arbeitsschritte:
Dass ein großer Teil der Kosten genau hier entsteht, zeigte das EHI bereits 2023: 56 % der Händler nannten Prüfung, Sichtung und Qualitätskontrolle als größten Kostentreiber, noch vor dem Transport.
Welche Retourenkosten häufig unsichtbar bleiben
Selbst wenn ihr die direkten Prozessschritte berücksichtigt, können weitere Kostenblöcke fehlen.
Wer Retourenkosten berechnen möchte, braucht deshalb mehr als einen Transportpreis. Entscheidend ist der gesamte Weg vom Rückversand bis zur erneuten Verfügbarkeit oder Abschreibung der Ware.
Der Sonderfall mit hohen Folgekosten: die Fehlsendung
Besonders teuer wird es, wenn ein Kunde den falschen oder einen beschädigten Artikel erhält. Eine solche Fehlsendung löst zusätzliche Arbeitsschritte aus, etwa Ersatzlieferung, Rücktransport, Kundenservice und erneute Warenprüfung.
In der vorliegenden Modellrechnung entstehen folgende Kosten:
| Kostenblock | Annahme |
|---|---|
| Ersatzlieferung: Kommissionierung, Verpackung, Versand | 4,50 € |
| Rücktransport des Fehlartikels | 3,50 € |
| Kundenservice, zwei Kontakte | 4,00 € |
| Goodwill-Gutschein, anteilig eingelöst | 2,70 € |
| Nicht erstatteter Payment-Gebührenanteil | 0,35 € |
| Prüfung, Aufbereitung, Wertverlust | 3,25 € |
| Summe | 18,30 € |
Dabei sind mögliche Folgen wie eine negative Bewertung oder ein verlorener Kunde noch nicht berücksichtigt.
Modellrechnung: Standard-Retoure mit 12,75 € pro Artikel
Die folgende Rechnung ist ein Modell mit offengelegten Annahmen, kein Studienergebnis. Die Grafik zeigt, wie sich 12,75 € pro Standard-Retoure auf sechs Kostenblöcke verteilen. Der Rücktransport macht mit 3,50 € rund 27 % aus. Weitere Anteile entfallen unter anderem auf durchschnittlichen Wertverlust, Prüfung und Qualitätskontrolle, Aufbereitung und Wiedereinlagerung sowie Kundenservice und Payment.
Abbildung: Kostenbestandteile einer modellhaften Standard-Retoure von 12,75 €. Die Prozentwerte sind gerundet.
Die zentrale Erkenntnis: Nur rund 27 % der modellhaften Retourenkosten entfallen auf den Rücktransport. Rund 73 % entstehen im weiteren Prozess nach dem Wareneingang.
Wenn ihr Retourenkosten nachhaltig senken möchtet, lohnt sich deshalb ein Blick über die Transportkosten hinaus. Bearbeitungszeiten, Klärfälle, Liegezeiten und Wertverlust können größere Hebel sein.
Kapitalbindung, entgangene Deckungsbeiträge und Peak-Zuschläge sind in dieser Modellrechnung noch nicht enthalten. Die tatsächlichen Kosten können deshalb je nach Sortiment, Saison, Prozessqualität und Retourenvolumen höher liegen.
Was Retourenkosten bei eurem Volumen bedeutet
Für die folgende Modellrechnung gelten diese Annahmen: zwei Artikel pro Bestellung, 25 % Retourenquote auf Artikelebene, 300 Versandtage und 12,75 € Kosten pro retourniertem Produkt.
| Bestellungen/ |
Retournierte Artikel/ |
Retourenkosten/ |
|---|---|---|
| 250 | 37.500 | rund 478.000 € |
| 2.500 | 375.000 | rund 4,78 Mio. € |
| 10.000 | 1.500.000 | rund 19,1 Mio. € |
Jeder Euro, den ihr pro retourniertem Artikel einspart, entspricht bei 250 Bestellungen am Tag bereits 37.500 Euro im Jahr und bei 10.000 Bestellungen am Tag 1,5 Millionen Euro.
Auch 50 Cent weniger Prozesskosten pro Artikel können sich bei entsprechendem Volumen schnell summieren. Dafür müsst ihr allerdings zuerst erkennen, wo diese 50 Cent heute entstehen.
Retourenkosten senken beginnt mit Transparenz
Retourenkosten schwanken nicht, weil Studien zwangsläufig zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Sie unterscheiden sich vor allem deshalb, weil nicht jeder dieselben Kostenpositionen zählt.
Wer nur das Rücksendelabel betrachtet, blendet Prüfung, Wertverlust, Liegezeit, Kundenservice und Bestandskorrekturen aus. Der erste Schritt zu niedrigeren Kosten ist deshalb Transparenz: Erfasst eure eigenen Prozesskosten, strukturiert Retourengründe und macht Liegezeiten sichtbar.
Findet heraus, was eure Retouren wirklich kosten und wo die größten Hebel liegen.
FAQ
Quellenangaben
- EHI Retail Institute: Zwischen Retouren und Rentabilität, Pressemitteilung vom 27.11.2025 (Datenbasis: Onlinebefragung von 124 Onlinehändlern in der DACH-Region, Sommer 2025) – https://www.ehi.org/
presse/ zwischen-retouren-und-rentabilitaet/ - EHI Retail Institute: Studie Versand-, Verpackungs- und Retourenmanagement im E-Commerce 2025 – https://ehi.org/
produkt/ studie-versand-und-retourenmanagement-im-e-commerce-2025-pdf/ - EHI Retail Institute: Retouren vermeiden, Pressemitteilung vom 18.12.2023 (Quelle für die 56 % zu Prüfung, Sichtung und Qualitätskontrolle) – https://www.ehi.org/
presse/ retouren-vermeiden/ - Universität Bamberg, Forschungsgruppe Retourenmanagement: Deutschland ist Retouren-Europameister, Pressemitteilung vom 07.09.2022 (Quelle für 2,85 € pro Artikel und 6,95 € pro Sendung, Datenjahr 2021) – https://www.uni-bamberg.de/
presse/ pm/ artikel/ erste-europaeische-haendlerbefragung-retourenmanagement/ - Forschungsgruppe Retourenmanagement: Neuer Rekord – 2025 voraussichtlich 550 Millionen Retourenpakete in Deutschland – https://www.retourenforschung.de/
info-neuer-rekord---2025-voraussichtlich-550-millionen-retourenpakete-in-deutschland.html - Trusted Returns / OnePoll: Retouren-Report 2025, zitiert nach LOGISTIK HEUTE, 03.10.2025 – https://logistik-heute.de/
news/ retouren-komplizierte-rueckgabeprozesse-behindern-kundenbindung-228194.html - PayPal: Händler- und Verkäufergebühren – https://www.paypal.com/
de/ business/ paypal-business-fees










